Symbole der Epochen - Die Neue Donaubrücke

Alle Brücken von Budapest sind von besonderem Wert. In Form, Material und Struktur repräsentieren sie das Zeitalter perfekt, in dem sie gebaut wurden. Szabolcs KIRÁLY und Ákos TAKÁCS möchten mit ihrem Vorhaben diese Tradition fortsetzen.

Die KKBK (Kiemelt Kormányzati Beruházások Központja Nonprofit Zrt.) hat als Auftraggeber einen nichtoffenen, vorqualifizierten, internationalen Architekturwettbewerb für die Planung einer neuen Donaubrücke eröffnet, die entlang der Galvani Straße, zusammen mit schienengestütztem Verkehr mit einer Breite von 2x3 Fahrspuren errichtet werden soll. Nachdem unsere Firma die Präqualifikationsphase erfolgreich bestanden hat, hat sie ein Angebot in der Entwurfsphase eingereicht. Wir sind sehr stolz auf die Brücke, die entstanden ist. Die Zeit, die wir mit der Planung verbracht haben, hat richtig Spaß gemacht. Alle unsere Teammitglieder waren begeistert von der Aufgabe, und sie haben mit ihrem besten Wissen und viel Arbeit zum Projekt beigetragen.

Angesichts des Umfangs der Aufgabe haben wir beschlossen, innerhalb der Firma einen Architekturwettbewerb zu starten, im Rahmen dessen die eine Version ausgewählt wird, die die Grundlage für das Projekt bilden wird. Im Laufe des internen Wettbewerbs wurden vier Architektenteams gegründet und fast 20 Entwürfe angefertigt. Die erstellten Entwürfe wurden mehrfach beurteilt, und die Jury musste sich vergewissern, dass die Bedingungen des Auswahlverfahrens in jeder Hinsicht erfüllt waren und die im Voraus genannten Erwägungen im Angebot weitgehend berücksichtigt wurden. Schließlich entschieden wir uns bei der Wahl der Brückenstruktur - von der üblichen symmetrischen Form der Budapester Brücken abweichend - für eine pylonartige Schrägseilbrücken-Konstruktion, die dem Wunsch des Auftraggebers entsprach, eine Brückenkonstruktion zu bauen, die in Budapest bisher noch nie angewendet wurde. Aufgrund dieses Kriteriums wurde auch die Möglichkeit der Gestaltung einer Lichtbogenbrücke in Betracht gezogen, aber diese wurde schließlich verworfen, da sie weniger innovativ ist und schwieriger in die städtische Umgebung eingepasst werden kann.

Aus ästhetischer Sicht sind alle Brücken von Budapest von besonderem Wert. In Form, Material und Struktur repräsentieren sie das Zeitalter perfekt, in dem sie gebaut wurden. Die geplante Neue Donaubrücke will diese Tradition fortsetzen. Formal werden Schrägseilbrücken mit einer der modernsten Technologien unserer Zeit realisiert, bei denen sowohl der Materialverbrauch als auch ihre strukturellen Lösungen empfehlenswerte Beispiele für umwelt- und energiebewusste Ingenieurbauwerke sind.

Der nördliche Teil der Insel Csepel gehört zu den bedeutendsten Entwicklungsgebieten Budapests. Das hierhin geplante Sportzentrum und Erholungspark oder der am Soroksárer Donauarm zu errichtende Campus werden der neuen Donaubrücke, die zum Tor von Csepel und vom neuen Stadtzentrum wird, eine noch größere Bedeutung verleihen.

Die Positionierung in der Stadtsilhouette wird auch dadurch erleichtert, dass der Pylon der geplanten Brücke auf der Csepel-Seite platziert wurde. Das asymmetrische Design, das wichtigste, an der Csepel-Seite zu errichtende Bauelement wird auch durch die Tatsache gerechtfertigt, dass aus den inneren Stadteilen der Hauptstadt mit geschützter Stadtsilhouette der hier zu errichtende Pylon zu sehen sein wird, welcher die Entwicklungen auf der Insel Csepel innerhalb des Stadtbildes markieren wird.

Wir untersuchten auch, welche Auswirkung die Aufstellung des Pylons weit außerhalb der Strombahn, in Richtung Insel Csepel auf die Anfahrt zum Csepeler Freihafen mit einem Boot haben würde. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass die Anfahrt zum Freihafen, der sich ca. 1 km vom Kreuzungspunkt entfernt befindet, mit Binnenschiffen durch den Pylon überhaupt nicht behindert wird.

Die Straßenknotenpunkte, die laut der Ausschreibung mit der Brücke verbunden sind, können innerhalb der vorgesehenen Planungsgrenze unter Erfüllung aller notwendigen Verkehrsnormen nicht gewährleistet werden. Zusätzliche Bereiche sind in der Umgebung der Budafoki Straße erforderlich.

Die als Fortsetzung der Galvani Straße zu errichtende neue Donaubrücke wird den Wert der Gebiete in Buda deutlich erhöhen. Es ist zu erwarten, dass die derzeit nicht genutzten halbindustriellen Immobilien zonenweise neu eingestuft werden. Zu den langfristigen Plänen von Budapest gehört ein Büro- oder Wohn-Entwicklungsgebiet mit einer Höhenbegrenzung von 45 Metern.

Der Knoten der Budafoki Straße auf separatem Ebene wurde aufgrund der vom Auftraggeber des Wettbewerbs erhaltenen Daten und unter Berücksichtigung der Nutzung von möglichst wenig Flächen bestimmt. Als Möglichkeit wurde auch die Spiegelkreuzung der Budafoki Straße in Betracht gezogen, aber dies wurde abgelehnt, weil der Auftraggeber in Beantwortung unserer Frage auf der Basis des geschätzten Verkehrs eindeutig eine Kreuzung in einer separaten Höhe für günstiger hielt. So wurde nach Prüfung der Möglichkeiten des verfügbaren Raumes und der Höhenlinien ein Halbkleeblatt-förmiger Straßenknoten entwickelt.

Der Pylon dient als Portal, als Treffpunkt. Die Einschränkungen wegen der Trassierung, und die Anpassung an die bestehende Versorgungsinfrastruktur lassen uns auch neue Möglichkeiten entdecken: an dem geplanten Brückenkopf kann eine bedeutende Grünfläche, ein echter Erholungspark errichtet werden. Der neue Park bietet eine neue Qualität für die Einwohner der Hauptstadt / von Csepel in ihrer Verbindung mit der Donau. Wegen der Bedeutung der Parks haben wir am Csepeler Brückenkopf eine zusätzliche Straßenbahnhaltestelle und einen P+R Parkplatz geplant.

Der Ausschreibung entsprechend wurden auf der Brücke ein zweiseitiger, richtungskonsistenter Fahrradweg und ein zweiseitiger Gehweg für Fußgänger errichtet. Am Csepeler Brückenkopf wird der Fußgänger- und Fahrradverkehr von der Autostraße verlagert. In der Grünfläche zwischen der Brücke und der Abwasserbehandlungsanlage, entlang einer Promenade mit einer Allee wird der Fußgänger- und Fahrradverkehr in Richtung Weiss Manfréd Straße weitergeleitet. Die Achse der Promenade in Richtung der Brücke zeigt auf den Brückenpylon, und führt die Fußgänger und Radfahrer auf die am Csepeler Kai vorgesehene Fußgänger- und Fahrradpromenade hinaus. Am Brückenkopf kann ein gepflasterter Mehrzweck- „Stadtraum“ mit Cafés und anderen gastronomischen Einrichtungen für die Besucher, die mit dem Fahrrad ankommen oder einfach Entspannung suchen, errichtet werden. Der Mehrzweckgemeinschaftsraum wird als attraktives Ziel und als „südlicher Partner“ des populären Römerstrandes [Római part] dienen. Der getrennte Fußgänger- und Autoverkehr bietet einen reibungslosen Zugang zum Donauufer. Auf dem Wasser wird auch eine schwimmende Terrasse errichtet, so wird die Verbindung einer neuen Qualität zwischen den Stadtbewohnern und der Donau als Wasseroberfläche geschaffen.

Darüber hinaus, dass die neue Donaubrücke eine funktionale Verbindung zwischen zwei wichtigen potenziellen Entwicklungsgebieten, zwei Bezirken und den Stadtteilen an beiden Ufern der Donau gewährleistet, wird sie auch ästhetische Bedeutung in Bezug auf die Skyline von Budapest bieten.

Die Verbindungsstellen an den beiden gegenüberliegenden Ufern der Donau sind nicht in identische Abschnitte geplant. Die Idee einer „S“-förmige Fahrbahn mit einem darin angeordneten Wendepunkt wurde direkt verworfen. Dies ist äußerst nachteilig sowohl für die Gestaltbarkeit, als auch für die Wirtschaftlichkeit und Verkehrssicherheit der Brückenstruktur. Also blieben wir bei der Schrägkreuzung, wo die Strompfeiler in Fließrichtung gedreht wurden.

Die Strompfeiler wurden in vom Standpunkt der Schifffahrt notwendigen Abständen aufgestellt. Es gab keine Gründe dafür, eine größere Spannweite zu planen. Ziel bei der Wahl der Konstruktion war ein vom Anblick her großzügiges, aber auch wirtschaftliches Design mit möglichst wenig Stahl.

Der Pylon der asymmetrischen Schrägseilbrücke wurde näher an die Csepeler Seite angebracht, welche eine spektakuläre, als Hinweis dienende, hochragende Struktur darstellt, die von mehreren denkwürdigen Stellen der Stadt zu sehen ist. Eine Bauweise mit zwei Pylonen war keine Option für uns, weil die Spannweite nicht gezwungener Maßen den zweiten Pylon rechtfertigt, und die Verwendung von zwei Pylonen reduziert auch die Höhe des Pylons, dadurch verliert der Pylon mit Spezialdesign viel an Ausdruck und Attraktivität, und wird nur noch durchschnittlich.

Die Form des Pylons hat mehrere Bedeutungen: auf der einen Seite symbolisiert sie den Kontakt zwischen den beiden Ufern, und den beiden Bezirken, und formt ein Tor zum zukünftigen neuen Stadtteil der Insel Csepel, auf der anderen Seite symbolisiert die sanft geschwungene, halbierten Form die Donau, wie sie bei der Insel Csepel sich verzweigt.

Die Brücke verfügt typisch über eine bogenförmige Formgestaltung, wo auch einige klare, feine, energetische Kanten, wie Wellen auf dem Wasser erscheinen, als der Strom einmal schneller wird, und sich dann wieder legt und ausdehnt.

Die Pylonbeine umfassen die Fahrbahn, in der Höhe schmiegen sie sich eng aneinander, aber sie berühren sich nicht. Bei ihrer Begegnung gibt es eine Rille, die nachts jeweils eine andere Lichtfarbe als Teil des dekorativen Beleuchtungskonzepts ausstrahlt. Die Begegnung der zwei Pylonbeine erinnert an zwei zusammengefaltete Hände, dazwischen erscheint das Licht als Kohäsion, als Zusammenhalt.

Für diejenigen, die sich in die Richtung der Brücke begeben oder sich auf der Brücke bewegen, stellt die Formgebung der oberen Teile des Pylons das Bild zweier sich ineinander schmiegenden Hände dar, und symbolisiert spirituelle Inhalte für ihre Beobachter durch den farbigen Streifen, der zwischen ihnen bis in den Himmel reicht, bzw. durch die Lichtlinie, die als Teil der dekorativen Abendbeleuchtung erscheint.

Die seitliche und die untere Ansicht der Brücke sind ebenfalls wichtig, was teilweise von den Piers/Ufern und teilweise von den auf dem Wasser schwimmenden Fahrzeugen wahrnehmbar ist. Bei der Formulierung des Querschnitts der Fahrbahn (Versteifungsstütze), wie beim Pylon, haben wir sanfte, bogenartige Formen angewendet. Durch die Querschnittsgestaltung erscheint die Brücke von der Seite schlanker. Der feine Bogen über dem Fluss und der Bogen des Pylons verstärken sich gegenseitig und passen insofern in die wohlverstandene, aber durchdachte Formenwelt moderner Architekturtrends.

Wir haben eine Metallplattenabdeckung an der Seite und an der Unterseite der Stahlbrückenbahn mit verborgener dekorativer Beleuchtung entworfen, auf der das durch die Donauoberfläche reflektierte Licht ein spannendes Spiel ins Leben ruft. Die weiß gestrichene Abdeckung ist an einigen Stellen perforiert, transparent, genau wie das Brüstungsgeländer entlang des Fußgängerweges. Die im Handlauf verborgenen Lichtkörper beleuchten einerseits die Gehwege und die Radwege, andererseits „bemalen“ sie die Außenseite der Brüstung mit einer Farbenvielfalt des Lichts bei Nacht.

Rund um den Pylon breitet sich der Fußgängerweg asymmetrisch in der Süd- und Nordseite aus, wo sich die Besucher, die die Brücke überqueren, ein bisschen ausruhen und das Donaupanorama genießen können. Die Aussichtsplattform erstreckt sich mit einem Kragarm über die Donau. Zwischen den beiden Plattformen wurde eine „Unterführung“ - ein Diagonal-Fußgänger-Verbindungsweg unter der Brückenbahn - für diejenigen, die den Ausblick von beiden Seiten genießen möchten, geplant.

Die Treppe der „Unterführung“ wurde in eine mit einer Sitzfläche kombinierten Pflanzenkassette integriert. Die Unterführung ist besonders spektakulär, da die Seitenabdeckung der unter die Brücke eingehängten Struktur eine transparente perforierte Platte ist. Diejenigen, die die Brücke überqueren, haben so einen ungewöhnlichen Ausblick auf die Donau und sie können das Fundament und die Struktur des Brückenpylons ganz aus der Nähe betrachten. Diese Unterführung bietet mit seiner ungewöhnlichen Lage und Aussicht einen Einblick in die Welt des mysteriösen Brückenmeisters.

Wir haben die Aussicht auch aus der Ansicht der Autofahrer auf der Brücke untersucht. Die einzigartige Trennvorrichtung/Sicherheitsbarriere würde so gestaltet werden, dass die Passagiere der Autos noch darüber hinwegblicken können, so dass das Panorama nicht gestört wird. Das Hauptmerkmal der einzigartigen Barriere ist die darin versteckte Straßenbeleuchtung. Beim Brückenabschnitt über der Donau haben wir absichtlich keine Kandelaber geplant, da ihre hohen Lichtpunkte Blendung verursachen, den Anblick der Brücke verdecken, und von einem Abstand betrachtet wirken sie wie eine Lichtpunkten-Kette und verursachen unnötige Lichtverschmutzung. Die in das Geländer integrierten Leuchten sorgen für eine gleichmäßige und besonders gute Beleuchtung und beleuchten nur die Fahrbahn. Die Lichtquellen sind vom Auto aus nicht sichtbar, sie blenden nicht. Die öffentliche Beleuchtung der Brücke: perfekt beleuchtete Fahrbahnen mit „unsichtbaren“ Leuchten.