Millenáris Ausstellungs- und Programmzentrum
Das Millenáris Ausstellungs- und Veranstaltungszentrum entstand durch die kulturelle Revitalisierung des ehemaligen Ganz-Elektrowerks. Im Mittelpunkt stand zunächst die Schaffung eines ikonischen Ortes für die Ausstellung „Träumer der Träume – Weltberühmte Ungarn“. Das Projekt ging jedoch weit über eine einzelne Ausstellung hinaus: Ein historisches Industrieareal erhielt eine neue, langfristige Funktion für das kulturelle und gemeinschaftliche Leben Budapests.
Ábrahám Ganz gründete 1844 seine Eisengießerei in Buda, in der heutigen Ganz utca. Das erfolgreiche Unternehmen wuchs bald über den ursprünglichen Standort hinaus. Nach Ganz’ Tod gründete einer seiner leitenden Mitarbeiter, András Mechwart, 1878 die elektrotechnische Abteilung des Werks und leitete die Entwicklung auf dem heutigen Millenáris-Gelände ein.
Mechwart brachte herausragende Wissenschaftler und Ingenieure wie Károly Zipernowsky, Miksa Déri und Ottó Titusz Bláthy in einer einflussreichen geistigen Werkstatt zusammen. Das Ganz-Elektrowerk wurde dadurch nicht nur zu einem bedeutenden Produktionsstandort, sondern auch zu einem international anerkannten Zentrum ungarischer technischer Innovation.
Dieses industrielle und geistige Erbe bot ein besonderes Umfeld für die Ausstellung „Träumer der Träume – Weltberühmte Ungarn“ und die damit verbundenen kulturellen Entwicklungen. Die Ausstellung zeigte einem breiten Publikum, welchen Beitrag ungarische Wissenschaftler, Ingenieure, Künstler, Kreative und Sportler zur Entwicklung Europas und der Welt geleistet haben.
Die Idee, das ehemalige Ganz-Werk in ein Kulturzentrum umzuwandeln, entstand unter aktiver Mitwirkung der Planer von CÉH. CÉH zRt. war von den ersten konzeptionellen Schritten bis zur Realisierung beteiligt und unterstützte die Entwicklung mit Hochbauplanung und Projektmanagement. Millenáris ist deshalb bis heute eines der Projekte, auf die unser Unternehmen besonders stolz ist.
Die Planung der Entwicklung dauerte vom Frühjahr 1999 bis zum Sommer 2001. Einzelne Bereiche des erneuerten Komplexes wurden bereits vor Abschluss des gesamten Projekts genutzt. Anfang Februar 2001 fanden im modernisierten Empfangsgebäude G Programme der 32. Ungarischen Millennium-Filmschau statt.
Die inhaltliche Entwicklung der Ausstellung und die architektonische Planung des Standorts erfolgten parallel. Die enge Zusammenarbeit von Kuratoren, Künstlern, Planern, Ingenieuren und ausführenden Unternehmen war erforderlich, um die historischen Industrieräume und die Präsentation ungarischer Leistungen zu einem einheitlichen Besuchererlebnis zu verbinden.
Die Gebäude B, C und D beherbergten die stark besuchte Ausstellung „Träumer der Träume – Weltberühmte Ungarn“. Zwischen den denkmalgeschützten Hallen B und D entstand mit dem Gebäude C, dem sogenannten Kreuzgang, ein neuer Eingangsbereich. Im Gebäude E wurde ein neues Theater- und Konzerthaus für Buda eingerichtet. Die ehemalige Instandhaltungswerkstatt G wurde zu einem multifunktionalen Empfangs- und Veranstaltungsbereich umgebaut.
Bei der Umnutzung mussten der Charakter und die historischen Konstruktionen der Industriegebäude erhalten und gleichzeitig moderne Ausstellungs-, Theater-, Veranstaltungs-, Besucher- und Betriebssysteme integriert werden. Die Planungs- und Projektmanagementleistungen von CÉH umfassten daher neben der architektonischen Erneuerung auch die kontinuierliche Koordination der kulturellen Funktionen, Technologien und Bauarbeiten.
Die Größenordnung der Entwicklung wird durch die Ausführungsdaten deutlich. Insgesamt wurden 28.000 Quadratmeter baufällige, nicht denkmalgeschützte Gebäude abgebrochen und 48.000 Kubikmeter Erde bewegt.
Bei der Bauausführung entstanden 16.500 Quadratmeter Betonarbeiten. Es wurden 825 Tonnen Bewehrungsstahl und 1.100 Tonnen Stahlkonstruktionen eingebaut. Für die technischen Systeme waren 75 Kilometer Rohrleitungen und 250 Kilometer elektrische Leitungen erforderlich.
In den Innenräumen wurden 7.200 Quadratmeter Keramikbeläge, 3.200 Quadratmeter Industrieparkett, 6.400 Quadratmeter Steinteppich und 7.000 Quadratmeter abgehängte Decken eingebaut.
Auf der Baustelle arbeiteten täglich durchschnittlich 500 Menschen. Insgesamt waren 1.863 Personen an Planung und Umsetzung beteiligt. Ihre Namen wurden als Anerkennung des industriellen und geistigen Erbes des Ortes bewahrt.
Durch die Erhaltung der historischen Werte des ehemaligen Ganz-Werks entstand ein multifunktionales Kultur- und Gemeinschaftszentrum, das für Ausstellungen, Theater- und Konzertprogramme, öffentliche Veranstaltungen und geschäftliche Events geeignet ist.
Die realisierte Entwicklung erhielt große Aufmerksamkeit in der ungarischen Architektur- und Fachpresse. Unter anderem berichteten und würdigten Octogon, Átrium, Építési Piac und Élet és Tudomány das Projekt.
Auszeichnungen:
- Budapest Építészeti Nívódíja, 2001 – emlékérem és oklevél, (Budapester Preis für architektonische Exzellenz, 2001 – Gedenkmedaille und Urkunde)
- European Heritage Awards / Europa Nostra Awards, 2002 – Diploma, Conservation and Adaptive Reuse, (Europa-Nostra-Diplom, 2002 – Denkmalpflege und adaptive Umnutzung)
- V. Magyar Ingatlanfejlesztési Nívódíj Pályázat, 2002 – a Budapesti Kereskedelmi és Iparkamara különdíja, (5. Ungarischer Wettbewerb für herausragende Immobilienentwicklungen, 2002 – Sonderpreis der Budapester Industrie- und Handelskammer)
- FIABCI Prix d’Excellence Awards, 2003 – Sonderanerkennung, Kategorie Öffentliche Einrichtungen